E-Lkw-Ladestationen: Optimal platziert dank Verkehrsanalysen
Ein Schnellladenetz für Lkw soll den Durchbruch der Elektromobilität im Straßengüterverkehr bringen. Mit Daten aus dem Mautsystem unterstützen wir die Planung.
Power to the Road: Lkw auf dem Weg zur Null-Emission
Nutzfahrzeuge verursachen etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor. Um das zu ändern, hat die EU ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 müssen die Hersteller die CO₂-Emissionen ihrer neuen Lkw-Flotten – im Vergleich zu 2019 – um 30 Prozent senken. Der Umstieg auf emissionsfreie Antriebe ist daher unvermeidlich.
Allerdings befindet sich die notwendige öffentliche Ladeinfrastruktur für Lkw in Deutschland noch im Aufbau. Um diesen voranzutreiben, gab die Bundesregierung im Juni 2024 unter dem Motto „Power to the Road“ den offiziellen Startschuss für ein bundesweites Lkw-Schnellladenetz. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur (NLL) plant dessen Eckwerte – und Toll Collect unterstützt sie dabei.
Der Bau von Lkw-Schnellladestationen in Deutschland ist ein Meilenstein für den nachhaltigen Straßengüterverkehr und ein wichtiger Schritt für den Umwelt- und Klimaschutz.
Strom tanken nach Fahrplan
Für eine effiziente Ladeinfrastruktur müssen die Lkw-Ladesäulen genau dort stehen, wo sie gebraucht werden. Schließlich müssen die E-Lkw-Ladestationen ins Logistiknetz passen und optimale Anschlüsse für kurze und lange Stopps im Regional- und Fernverkehr bieten. Dabei helfen unsere Daten aus dem Mautsystem, die detaillierte Informationen über die Fahrrouten der Nutzfahrzeuge liefern.
Die Daten zeigen, wie viele Lkw wann, wo, für wie lange und mit welcher Kilometer-Fahrleistung unterwegs sind oder Pause machen. Daraus ergibt sich ein Befahrungsmuster des gesamten Fernstraßennetzes. Anhand dieses Musters kann bestimmt werden, wo die Lkw-Ladestationen optimal platziert und wie viele Ladeplätze nötig sind – damit die batterieelektrischen Lkw ohne Umwege und lange Wartezeiten laden können.
Analyse des Lkw-Verkehrs
Unsere Erhebungen veranschaulichen beispielhaft den Lkw-Verkehrsfluss in Deutschland im ersten Halbjahr 2024 und zeigen, wie oft bestimmte Straßen befahren werden. Dabei analysieren wir das Fahrverhalten auf mautpflichtigen Straßen, die Ein- und Ausfahrten an den deutschen Grenzen sowie die Nutzung einzelner Streckenabschnitte und regionale Besonderheiten.
Wo und wie laden die Lkw der Zukunft?
Bis 2030 sollen etwa 350 öffentliche E-Ladestandorte entlang der Bundesautobahnen entstehen, die maximal 100 Kilometer voneinander entfernt liegen. Geladen wird dort, wo geparkt wird – nämlich an bewirtschafteten und unbewirtschafteten Rastanlagen.
An den Lkw-Ladestationen sind sowohl Ladepunkte mit dem Combined Charging System (CCS) als auch mit dem Megawatt Charging System (MCS) geplant. Die Schnell-Ladehubs bieten hohe Ladeleistungen für kurze Ladezeiten. Besonders die ultraschnelle MCS-Ladelösung bringt Vorteile für die Logistik: Fahrer*innen können ihre Fahrzeuge während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen vollständig aufladen. Das Pilotprojekt HoLa testet diese Technologie bereits entlang der Autobahn A2.
Lkw-Netz – Hürden meistern, Chancen nutzen
Der Ausbau einer Ladeinfrastruktur für Lkw in Deutschland bringt einige Herausforderungen mit sich. Neben der strategischen Standortwahl und der technischen Umsetzung spielt die wirtschaftliche Rentabilität eine zentrale Rolle. Der Erfolg der Investition hängt maßgeblich vom schnellen Antriebswechsel in der Nutzfahrzeugindustrie ab. Um den Verkehr zügig auf Klimakurs zu bringen und die dringend benötigten Emissionsziele zu erreichen, ist der Umstieg auf Elektro-Lkw unerlässlich.
Seit 2023 arbeiten wir eng mit der Nationalen Leitstelle für Ladeinfrastruktur und dem Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) zusammen, um die Antriebswende und das Lkw-Ladenetz in Deutschland voranzutreiben. Wir verbessern kontinuierlich die Datenbasis und tauschen Wissen aus, was die Aussagekraft unserer Analysen erheblich steigert.
Dank unserer Expertise in der Mautdatennutzung und der engen Zusammenarbeit mit Toll Collect fließen die Ergebnisse innovativer Analysen in die Planung des Lkw-Ladenetzes ein. So verbessern wir die Entscheidungsgrundlage für die Logistik und den Straßengüterverkehr von morgen.