Hackathon: der Turbo für zur Ideenentwicklung
Das Rezept dieses Hackathons mit dem Titel „Mobilitätsdaten mit Mehrwert“ ist simpel: Man nehme 50 Studierende, Informationen aus Open-Data-Quellen und genügend Verpflegung. Nun lasse man diese Mischung drei Tage im April 2026 gehen. Das Ergebnis: acht großartige Ideen rund um Mautdaten.
Was ist ein Hackathon?
Ein Hackathon (Kunstwort aus Hack und Marathon) ist ein intensiver, oft mehrtägiger Wettbewerb, bei dem Programmierer:innen, Designer:innen, Entwickler:innen und andere Tech-Interessierte in Teams zusammenarbeiten, um kreative Lösungen für technische oder gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. Für Toll Collect war der erste Hackathon eine gute Möglichkeit, Wissen von außerhalb ins Unternehmen zu holen und einen frischen, unverbrauchten Blick auf das Potenzial unserer Daten zu werfen. Schon seit einigen Jahren bereitet Toll Collect die im Rahmen der Lkw-Maut entstehenden Mobilitätsdaten im Interesse des Bundes datenschutzkonform auf, um gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Zu den daraus entstandenen Lösungen gehören neben dem Lkw-Verkehrsportal auch der Stellplatz-Informationsdienst.
Besonders erfreulich war die Offenheit für den Hackathon, auf die wir intern bei Toll Collect und extern bei der HTW sowie bei der Jury gestoßen sind. Was anfangs viel kleiner geplant war, hat im Laufe der Vorbereitung viel Eigendynamik entwickelt.
Innovationslabor für Mautdaten
Autobahnen und Bundesstraßen bilden das mautpflichtige Streckennetz in Deutschland. Es umfasst rund 51.000 Kilometer – davon etwa 13.000 Kilometer Autobahnen und 38.000 Kilometer Bundesstraßen. Täglich werden rund 8,4 Millionen mautpflichtige Fahrten auf diesem Streckennetz erfasst – gebucht automatisch per On-Board Unit oder manuell per App oder Website. Diese Daten sind die Arbeitsgrundlage für die am Hackathon teilnehmenden Studierenden der Berliner Hochschule für Wirtschaft (HTW). Die Kooperation entsprang dem Nachhaltigkeitsgedanken. Denn zur Nachhaltigkeit gehört auch, Mehrwerte für die Gesellschaft mit bereits vorhandenen Daten zu schaffen. Und wer könnte das besser, als Studentinnen und Studenten, die vollkommen unvoreingenommen an das Thema Maut herangehen. Schließlich können sie ganz losgelöst von politischen Rahmenbedingungen denken, unabhängig von der langen Unternehmensgeschichte und ohne eine Schere im Kopf. Es ist wie im altbekannten Spruch: Alle sagten, das geht nicht, bis einer kam, der das nicht wusste. Der hat’s dann einfach gemacht.
Das Rezept: einfach loslegen
Die auf acht Teams aufgeteilten 50 Studierenden der HTW mussten sich einiges einfallen lassen, um sich das Preisgeld von 1.500 Euro zu sichern. Es galt, aus Open-Data-Quellen wie der Mobilithek des Bundes und dem Lkw-Verkehrsportal von Toll Collect konkrete, wirksame Konzepte zu formen, etwa zur Lärmreduzierung, Emissionsminderung oder Stauvermeidung. Die Bewertungskriterien: Problem und Relevanz, Datenkompetenz und Integration, Lösung und Umsetzbarkeit sowie gesellschaftlicher Impact und Nachhaltigkeit.
Bevor sich die Teilnehmer mit Laptop, Getränken und großer Motivation in einem der agilen Projekträume in die Ideenküche begeben konnten, bekamen sie zunächst einen Crashkurs in Sachen Toll Collect. Vor kurzem hatten viele von ihnen das erste Mal vom Unternehmen selbst gehört. Eine Lkw-Maut betrifft schließlich in erster Linie die Spediteure. Zwei Tage lang tüftelten die Studierenden an ihren Konzepten, ließen Vorschläge köcheln, tauschten Zutaten aus, entwickelten sogar funktionierende Prototypen ihrer Apps, um am dritten und letzten Tag schließlich ihre Ideen der eigens zusammengestellten Jury aufzutischen. Das Ergebnis schmeckte allen.
Die Jury fällt ihr Urteil
Die 7-köpfige Jury zu finden war einfach. Das Renommée der HTW als Hochschule mit großer praktischer Studienerfahrung sowie die Ausrichtung von Toll Collect als Technologieunternehmen sorgten in kürzester Zeit für die nötigen Zusagen. Die Jurorinnen stammten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden. Staatssekretärin Claudia Elif Stutz aus dem Bundesministerium für Verkehr kürte schließlich das beste Konzept. Keine einfache Aufgabe – dafür waren die Konzepte allesamt zu gut.
Die Ideen der Teams reichten von Digitalen Zwillingen (also dem digitalen Abbild von Baustellen, CO2-Belastung und Verkehrsintensität) zur Verkehrskontrolle über Vorbereitungen für das autonome Fahren bis hin zu Verkehrskonzepten im Falle von Extremwetterereignissen.
Das Team EcoToll hatte schließlich in den Augen der Jury das beste Konzept. Dessen Idee: Verkehrssteuerung mit dynamischen Mautsätzen. Dazu werden verschiedene historische und aktuelle Parameter zur Berechnung herangezogen, darunter die Tageszeit, der Zustand der Infrastruktur, die Unfallhäufigkeit oder die Verkehrsbelastung. Daraus errechnet sich eine variable Maut, die für eine effizientere und nachhaltigere Auslastung der Straßen sorgen soll.
Für die Jury war das den ersten Platz wert. „Uns hat vor allem der Umfang der Ausarbeitung überzeugt. Das Team hat viele Datenquellen berücksichtigt und sogar einen funktionierenden Prototypen programmiert. Hinzu kam die klare Fokussierung auf die Problemlösung“, begründete Annabella Rauscher-Scheibe, Präsidentin der HTW Berlin, die auch den Jury-Vorsitz übernahm, deren Entscheidung. Auch wenn es bei der Umsetzung der Idee einige juristische Hürden zu überwinden gäbe, freute sich die Jury über die unbefangene Herangehensweise der jungen Leute.
Die Idee für Verkehrskonzepte im Falle von Extremwetterereignissen landete auf dem 2. Platz, auf den 3. Platz kam ein Modell zur Vorhersage und Steuerung von Verhalten bei Stau und die Verteilung auf freie Parkplätze. Spontan initiierte Toll Collect-Geschäftsführer Rolf Erfurt zudem einen Sonderpreis für eine besonders werteorientierte Teamleistung.
Die Unternehmensentwicklung nahm die die Ideen aus diesem Hackathon im Anschluss interessiert auf, um sie auf ihre Umsetzbarkeit oder Möglichkeiten zu deren Weiterentwicklung zu prüfen.