Photovoltaik an Kontrollstellen – für eine nachhaltige Energieversorgung
Immer mehr Kontrollstellen im Mautnetz erzeugen ihren eigenen Strom – mit der Kraft der Sonne. In einem Pilotprojekt testeten wir, an welchen Standorten und mit welcher Ausstattung das am besten funktioniert.
Kontrolle braucht Energie – und Verantwortung
Unsere Kontrollstellen erfassen und kontrollieren mautpflichtige Fahrzeuge – automatisch im fließenden Verkehr. Bundesweit betreiben wir etwa 900 Anlagen, darunter 300 Kontrollbrücken an Autobahnen und rund 600 Kontrollsäulen an Bundesstraßen. Sie sind mit Sensoren, Kameras, Rechnern, Übertragungstechnik sowie Heiz- und Klimasystemen ausgestattet.
Diese technische Infrastruktur ist energieintensiv: Allein im Jahr 2024 verbrauchten unsere Kontrollsysteme rund 3.600 Megawattstunden Strom, was etwa 80 Prozent unseres Gesamtverbrauchs entspricht. Damit haben sie den größten Strombedarf – nicht nur im Mautsystem, sondern im gesamten Unternehmen.
Im Betrieb dieser Anlagen liegt daher ein zentraler Hebel, um unseren Stromverbrauch und die damit verbundenen Emissionen zu senken. Um dieses Potenzial zu nutzen, setzen wir seit Jahren auf verschiedene Maßnahmen – mit einem Schwerpunkt auf der eigenen Stromerzeugung durch Photovoltaik. Die Idee: Strom direkt dort erzeugen, wo er gebraucht wird, und so den Bedarf an Netzstrom verringern. Doch wie gut funktioniert das in der Praxis? Unsere Tests und Analysen lieferten eine klare Antwort.
Jede Kilowattstunde Strom, die wir selbst erzeugen, verringert unseren Bedarf an Netzstrom – und damit auch die CO₂-Emissionen unseres Betriebs. So kommen wir unserem Ziel, bis 2028 klimaneutral zu arbeiten, messbar näher.
Die Sonne im Blick: Analyse zum Solarpotenzial
Um Photovoltaikanlagen gezielt dort zu platzieren, wo sie den größten Nutzen bringen, führten wir zunächst eine umfassende Geodatenanalyse durch. Auf Basis der Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes und mithilfe spezieller Simulations- und Analysetools erstellten wir eine Solarpotenzialkarte. Sie zeigte, welche Kontrollstellen in Deutschland sich besonders gut für Solaranlagen eignen und welche Erträge dort zu erwarten sind.
In die Berechnungen flossen verschiedene Faktoren ein: Standortbedingungen, Ausrichtung, eingesetzte Technologie und maximale Anlagenleistung. Anschließend setzten wir den potenziellen Solarertrag jeder Kontrollstelle in Relation zu ihrem Stromverbrauch.
Es zeichnete sich ab, dass rund die Hälfte der Kontrollbrücken an Autobahnen und einige Kontrollsäulen an Bundesstraßen geeignete Voraussetzungen für den Einsatz von Photovoltaikanlagen bieten.
Startschuss für Solarenergie im Mautsystem
Was in unserer Solarpotenzialkarte vielversprechend aussah, wollten wir in der Praxis erproben. Im Juni 2023 ging die erste Pilotanlage an einer Kontrollbrücke südlich von Ingolstadt in Betrieb.
Auf dem Dach des Technikhauses neben der Brücke – in dem unter anderem Hauptrechner und Klimaanlage untergebracht sind – installierten wir erstmals vier Solarmodule. Kurz darauf folgten drei weitere Anlagen an anderen Standorten.
Zu Beginn war noch unklar, wie viel Strom sich mit den Photovoltaikanlagen tatsächlich erzeugen lässt. Zwar konnten wir die Ausrichtung der Technikhäuser berechnen, doch wie stark die Brücken die Module beschatten würden, ließ sich nur schwer abschätzen. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich jedoch: Unser Ansatz ist praxistauglich. Die ersten Anlagen an den Kontrollbrücken deckten bis zu 30 Prozent ihres Strombedarfs – ein überzeugender Start.
Auf Basis dieser Ergebnisse weiteten wir das Konzept schrittweise auf weitere Kontrollstellen aus. An allen Standorten mit Solaranlagen analysierten wir die Erträge mithilfe eines Monitoring-Tools, werteten die Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb aus und prüften parallel, mit welchen technischen Lösungen und Konstruktionen sich das Konzept an unterschiedlichen Standorten weiterentwickeln lässt.
Photovoltaiklösungen im Praxistest
Während unserer einjährigen Pilotphase errichteten wir in elf Bundesländern insgesamt 34 Photovoltaikanlagen. Neben Dachmodulen auf unseren Technikhäusern erprobten wir auch bodenmontierte Solarmodule – sogenannte Freiflächenanlagen – sowie Solarpaneele auf bis zu fünf Meter hohen Stützen. Dabei war uns wichtig, Eingriffe in die Landschaft so gering wie möglich zu halten und langlebige Systeme einzusetzen. Einige Anlagen statteten wir zusätzlich mit Batteriespeichern aus, die überschüssige Energie zwischenspeichern und bei Bedarf wieder einspeisen.
Effizienz zeigt sich neben der Brücke
Die Ergebnisse der Pilotphase zeigen ein eindeutiges Bild: An unseren Kontrollbrücken überzeugt das getestete System aus Freiflächenmodulen und Speicher. Die großflächigen Solarmodule arbeiten deutlich effizienter als Dachanlagen und können bis zu 50 Prozent des Eigenbedarfs einer Brücke decken. Besonders effizient ist eine Kombination aus acht Modulen mit einem Anstellwinkel von 30 Grad und einem Speicher mit einer Kapazität von 10,2 Kilowattstunden. Mit dieser Lösung erhöhen wir die Versorgungssicherheit, entlasten die Netze, glätten Lastspitzen und verbessern die Wirtschaftlichkeit der Anlagen.
Auf Basis dieser Erkenntnisse planen wir seit September 2025 den weiteren Ausbau von Freiflächenanlagen an unseren Kontrollbrücken. Ab 2026 entstehen zehn neue Anlagen in Baden-Württemberg und Bayern, 2027 folgen zehn weitere. Insgesamt eignen sich 100 Brückenstandorte für Solaranlagen.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse der Pilotphase, dass sich der Einsatz von Photovoltaikanlagen an den Kontrollsäulen nicht rechnet. Weder die Standortbedingungen noch die Wirtschaftlichkeit sprechen für einen Ausbau. Einer der Hauptgründe ist ihr stark saisonaler Stromverbrauch – im Sommer sehr niedrig, im Winter durch die integrierte Heizung deutlich höher. Dadurch entstehen in den Sommermonaten Energieüberschüsse, während die Solarleistung im Winter nicht ausreicht, um den Bedarf der Säulen zu decken.
Unsere Daten haben uns letztlich zu einer klaren Lösung hingeführt – zu einer, die anfangs gar nicht im Fokus stand. Genau das macht Forschung und Analyse so spannend.
Klarer Kurs für mehr Nachhaltigkeit
Mit den Solaranlagen an unseren Kontrollstellen verfolgen wir ein klares Ziel: unsere geschäftlichen CO₂-Emissionen spürbar zu reduzieren. Bis 2028 wollen wir unsere Arbeit klimaneutral organisieren.
Durch die verstärkte Nutzung selbst erzeugter Solarenergie für den Betrieb unserer automatischen Kontrollsysteme zahlen wir nicht nur auf unsere eigenen Klimaziele ein. Wir leisten zugleich einen Beitrag zu den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – konkret zu SDG 7 „Bezahlbare und saubere Energie“. Damit unterstützen wir den Bund bei der Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS).