Die Bundesstraße – Mautpflicht, Bedeutung und Nutzung
Deutschland verfügt über rund 38.000 Kilometer Bundesstraßen – doch was macht eine Bundesstraße eigentlich aus und welche Rolle spielen diese Straßen im Verkehrsnetz? Wir beleuchten ihre Besonderheiten und Regelungen.
Was ist eine Bundesstraße?
Bundesstraßen, auch als Überlandstraßen bekannt, sind Fernstraßen im Eigentum des Bundes und dienen in erster Linie dem überregionalen Verkehr. Sie verlaufen jedoch nicht nur außerhalb von Ortschaften, sondern führen oft auch durch Städte und Gemeinden. Im Gegensatz zu Autobahnen sind sie deshalb nicht ausschließlich dem Schnellverkehr vorbehalten, sondern teilweise auch für langsamere Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer freigegeben.
Bedeutung für den Verkehr
Bundesstraßen sind wichtig für den deutschen Fernverkehr. Sie bieten eine Alternative zur Autobahn, besonders in Regionen ohne direkte Autobahnanbindung. Gleichzeitig spielen sie eine große Rolle im regionalen und innerstädtischen Verkehr, da sie lokale Verkehrsnetze miteinander verbinden. Die Kombination aus Verbindungs- und Fernverkehrsstraße macht Bundesstraßen unverzichtbar für den Waren- und Personenverkehr in Deutschland.
Mautpflicht auf Bundesstraßen
In Deutschland sind Bundesstraßen für bestimmte Fahrzeuge mautpflichtig. Bereits 2007 galt auf einigen Bundesstraßen die Mautpflicht für Lkw. In den Jahren 2012 und 2015 kamen weitere Strecken hinzu. Im Sommer 2016 beauftragte das Bundesverkehrsministerium (BMV) Toll Collect, das Lkw-Mautsystem auf alle Bundesstraßen auszuweiten. Seit dem 1. Juli 2018 müssen daher alle Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen auf diesen Straßen Maut zahlen. Eine weitere Ausweitung trat am 1. Juli 2024 in Kraft. Seitdem sind alle Fahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse von über 3,5 Tonnen mautpflichtig.
Verkehrsaufkommen auf den Bundesstraßen
Dank der Daten aus dem Mautsystem erhalten wir detaillierte Einblicke in das Lkw-Verkehrsaufkommen auf den Bundesstraßen in Deutschland. In unserem halbjährlichen Report „Mautnetz und Lkw-Verkehr“, den wir gemeinsam mit dem Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) veröffentlichen, informieren wir unter anderem über die Anzahl der täglichen Lkw-Fahrten auf verschiedenen Bundesstraßenabschnitten.
Den Höchstwert bei den Bundesstraßen erreicht im 2. Halbjahr 2024 die B3 mit Abschnitten an der Köhlbrandbrücke im Bereich des Hamburger Hafens. Mit durchschnittlich fast 3.900 Lkw-Befahrungen pro Tag werden sie fast 20-mal so oft genutzt wie ein durchschnittlicher Bundesstraßenabschnitt und sogar häufiger als ein durchschnittlicher Autobahnabschnitt.
Top 5 der meistbefahrenen Bundesstraßenbereiche im 2. Halbjahr 2024
| Rang | Bundesstraße | Bereich zwischen | und | ∅ Anzahl tägliche Befahrungen |
|---|---|---|---|---|
| 1 | B3 | B3 Hamburg, Dradenaustraße | B3 Hamburg, Neuhöfer Damm | 3.888 |
| 2 | B10 | Wörther Kreuz (Übergang A65/B10) | B10 Karlsruhe, K9657 | 3.675 |
| 3 | B236 | Dortmund-Nordost | B236 Dortmund, Springorumstraße | 2.838 |
| 4 | B2 | B2 Gersthofen Mitte | Augsburg-West, Kreuz | 2.797 |
| 5 | B236 | B236 Dortmund, Hannöversche Straße | B1/B236 Dortmund | 2.754 |
Zahlen, Fakten und Regeln
Welche Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten auf Bundesstraßen in Deutschland? Wer ist für die Instandhaltung und den Ausbau der Straßen zuständig? Wir geben einen Überblick über alle relevanten Zahlen, Fakten und Vorschriften rund um die deutschen Bundesstraßen.
Straßennetz und Nutzung
- Gesamtlänge: Im Jahr 2024 umfasst das Netz der Bundesstraßen in Deutschland rund 38.000 Kilometer.
- Fahrspuren: Bundesstraßen können je nach Verkehrsaufkommen zwischen zwei- und sechsstreifig ausgebaut sein. Letztere haben mit den getrennten Richtungsfahrbahnen ein autobahnähnliches Aussehen.
- Befahrung: Bestimmte Abschnitte der Bundesstraßen sind nur für motorisierte Fahrzeuge zugelassen, die mehr als 60 km/h erreichen. Diese sogenannten Kraftfahrstraßen werden umgangssprachlich auch als „Schnellstraßen“ oder „gelbe Autobahnen“ bezeichnet. Ansonsten können Bundesstraßen von allen Verkehrsteilnehmenden genutzt werden.
Verantwortlichkeiten und Finanzierung
- Eigentümer: Die Bundesstraßen in Deutschland gehören dem Bund.
- Verwaltung: Die Bundesstraßen werden größtenteils von den Bundesländern im Auftrag des Bundes verwaltet. Die Länder übernehmen Planung, Bau, Erhaltung und Betrieb der Straßen. In Berlin, Bremen und Hamburg ist der Bund direkt für die Verwaltung der Straßen verantwortlich.
- Finanzierung: Die notwendigen Haushaltsmittel für Neu- und Ausbauten werden den Ländern vom Bundesverkehrsministerium (BMV) zugewiesen. Dafür stehen dem Bund Teile der Mineralölsteuer, der Kfz-Steuer und der Lkw-Maut zur Verfügung. Wo und zu welchem Zeitpunkt neue Straßenabschnitte gebaut werden, entscheidet der Bund auf Grundlage des Bundesverkehrswegeplans.
Nummerierung und Beschilderung
- Kennzeichnung: Bundesstraßen in Deutschland sind mit dem Kürzel „B“ und einer darauffolgenden Nummer gekennzeichnet (z. B. B7).
- Verkehrszeichen: Die Straßen sind durch eine gelbe, schwarz umrandete Beschilderung ausgewiesen.
Geschwindigkeit auf Bundesstraßen
- Innerorts: Für alle Fahrzeuge gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h.
- Außerorts (nicht autobahnähnlich): Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 100 km/h. Für Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen gilt jedoch eine Begrenzung auf 80 km/h und Lkw über 7,5 Tonnen dürfen maximal 60 km/h fahren.
- Außerorts (autobahnähnlich): Auf autobahnähnlichen Bundesstraßen gilt in der Regel kein Tempolimit, jedoch eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Für Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen ist die Geschwindigkeit auf 80 km/h begrenzt.